Sonntag, 11. Oktober 2015

Schlitzohr




"Mensch, der Manu hat sich aber gut eingelebt!". Ein Satz, den wir in letzter Zeit öfters hörten, und den wir wohl auch oft selbst gedacht haben. 

Er war wohl nur wenige Tage bei uns, als wir das erste Mal diesen Satz aussprachen, und dann immer wieder in regelmäßigen Abständen. Später haben wir immer gedacht, es ging ja doch noch jedes Mal eine Stufe intensiver. 

Zuerst war es das Vertrauen, das er zu uns fasste und bald die Selbstverständlichkeit mit der er sich in unseren Räumlichkeiten bewegte.

 
Dann die ersten Annäherungen, die von ihm ausgingen, seine Aufforderungen zu Streicheleinheiten oder zum Spiel.

Irgendwann waren es bestimmte Interaktionen, sein Spiel mit den Augen, wenn man mit ihm sprach, die Art wie er Regelmäßigkeiten im Ablauf erkannte und annahm, seine Art uns zu lesen - Kleinigkeiten, die wir wahrscheinlich noch nicht mal bewusst machten, und die er geschickt umsetzen konnte. 

Und dann gibt es natürlich auch noch Besonderheiten in unserem Haushalt, die nur Eingeweihte kennen und die er zu seinem Vorteil inzwischen sehr gut einsetzen kann. Er hat schon eine ganze Menge gelernt - nicht nur das, was wir ihm bewusst beigebracht haben - dieses Schlitzohr. Er bringt auch uns noch etwas bei. Ob wir wollen oder nicht.

Beispiel gefälligst?

Es ist Mittwochabend, kurz nach der Tagesschau. Ich sitze nach wohlverdientem Feierabend auf der Couch mit einer guten Tasse Tee. Im Fernseher läuft ein Quiz, und ich warte auf Frau Heinrich, die mit Carolin Kebekus heute in der Eifel unterwegs sein wird (WDR, mittwochs 21:00 Uhr, "Frau Heinrich kommt"). Die Hunde haben ihr Fressi schon inhaliert und müssten nun eigentlich zufrieden sein. Emi und Luke sind es sogar und haben sich entspannt ausgestreckt. Manu dagegen liegt vor der Küchentür, denn hinter ihr lamentiert noch der WBE. Verheißungsvoll wird dort geklappert, was ja nur bedeuten kann, dass das Herrchen bald diesen Raum mit etwas Essbarem verlassen wird. Da läuft Hund ja schon allein von der Vorstellung das Wasser in der Schnauze zusammen, hach!

Alltag, und natürlich achte ich nicht weiter auf die Geschehnisse, die ich sowieso nicht einblicken kann. Das alles passiert hinter meinem Rücken, inklusive Wand dazwischen.

Irgendwann schreckt mich das Geräusch der Küchentür auf, dann ein kurzes, heftiges Geklapper (wahrscheinlich Teller) und daraufhin hektisches Fußgetrappel (mit Sicherheit Manu). Schon taucht seine Silhouette im kerzenbeleuchteten Wohnzimmer auf. Mit Schmackes wirft er sich in sein Hundebett, wobei mich irgendetwas irritiert. 

Was genau ist das große, viereckige in seiner Schnauze? 

Jäh wird mir klar, dass dieses genau das leckere, große Roggenbrot ist, das ich vor genau einer Stunde zwecks auftauen in die Küche gelegt habe. Ich blase zum Kampf und stürze mich auf den verblüfften Manu, der nun leider seine Beute wieder hergeben muss. Liebenswerterweise tut er das mit wenig Gegenwehr. Da hat wohl das schlechte Gewissen doch noch ein Wörtchen mitgeredet. Shit happens.

Was war passiert? 
Der WBE hatte irgendwann die Küche verlassen. Wohin auch immer. Auch die Tür hatte er hinter sich geschlossen. Das Brot wäre also eigentlich weiterhin  in Sicherheit gewesen. Nur hat unsere Küchentür einen kleinen Mangel, den wir lange Zeit gar nicht kannten. Sie schließt nur wirklich richtig gut, wenn man sie noch einmal mit Nachdruck an der Klinke zuzieht, was wir wohl selten gemacht haben und auch dummerweise hin und wieder noch heute vergessen, aber mit Lerneffekt.  Manu hat inzwischen nämlich gelernt, dass man diese Tür dann wunderbar mit dem Kopf aufschieben kann. Natürlich testet er das jetzt gerne aus, sobald jemand die Küche verlassen hat.

Das wurde dem Brot also beinahe zum Verhängnis. Eine Rettung war ja zum Glück noch möglich, wobei es wirklich schön ist, diese Arena als Sieger zu verlassen. Hat ja auch was aufbauendes, wenn man den Abend mal als Held, der einem Brot das Leben gerettet hat, beenden kann. 




Kommentare:

  1. *lach* Manu ist ganz schön pfiffig. Ein ganzes Brot kann Hund ja auch schlecht verstecken. Bestimmt hatte er sich schon auf sein zusätzliches Abendbrot gefreut.
    Wir hatten mal einen Hund, der klinkte Türen auf. Nein, es hat ihm niemand beigebracht. Nach einigen Vorfällen hat mein Mann dann die Türklinken anders herum (die Klinken zeigen alle nach oben) angebaut. So sieht das übrigens immer noch bei uns aus.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Türen per Türklinke öffnen kann Manu auch manchmal, wobei es sich dabei wohl vorerst um zufällige Ergebnisse handelt. Wer weiß, wie lange er braucht bis er den Zusammenhang versteht. Puh! Bis jetzt hatten wir nur eine Katze, die das in Vollendung konnte und dabei einen riesigen Lärm machte, vorzugsweise nachts. Das müssen wir jetzt nicht unbedingt noch mal haben :)

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  2. Haha, eine klasse Geschichte. Manu lernt eben wirklich sehr gut und vor allem das, was ihm selbst zum Vorteil gereicht. Mich beruhigt es aber, dass auch andere Hunde mal so etwas tun und ich nicht alleine bin mit so kleinen Streichen. Wobei, ich war frecher und klaute dem Frauchen mal die Wurst vom frisch geschmierten Brötchen. Die war dann auch nicht mehr zu retten.

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Oh, ich glaube ihr seid bei weitem nicht die einzigen Schelme. Geschichten dieser Art gibt es sicherlich eine ganze Menge. Ich weiß aber nicht, ob jedes Frauchen oder Herrchen solche Schandtaten mit dem gleichen Humor nimmt. Also Vorsicht, nicht übertreiben.

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  3. PRUST ... ich gratuliere zur gewonnenen Schlacht um das Roggenbrot :) Ist es nicht wunderbar, wie sehr uns Hunde zur Aufmerksamkeit erziehen?! Genau diese kleinen Geschichten sind es, die das Leben mit Hunden doch so interessant machen - und dafür sorgen, dass man immer etwas zu lachen hat (vorausgesetzt, man konnte das Brot retten)!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Stimmt, und das spannende ist eigentlich, dass man in bestimmten Situationen Manu und Brot problemlos in einem Raum lassen kann, ohne dass es dem Brot an den Kragen geht. Der Trick ist, dass man als Zweibeiner sich nicht aufgrund dieser positiven Erfahrung in Sicherheit wiegt, denn dann erlebt man die nächste Überraschung. Es soll ja auch nicht langweilig werden.

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  4. Manu ist ja richtig aufgetaut - aber echt :)
    Ein richtiger und lustiger Frechdachs - der immer mehr aus sich heraus kommt.

    Schön das er von Tag zu Tag mehr vertrauen zu euch fasst - und so schöne Frechheiten sind doch auch manchmal toll ;)

    LG, Carola mit Deco + Pippa

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    1. Ich glaube ja, dass es gerade diese liebenswerten kleinen Frechheiten sind, über die wir noch lange schmunzeln. Solange sie immer so gut ausgehen wie in diesem Fall. Man muss sich halt auch an die eigene Nase packen, wenn der Hund sich in so einem Fall etwas stibitzt (als würde er sagen, denen zeige ich es jetzt aber). Daran, dass er das meistens nicht tut zB in unserer Anwesenheit, arbeiten wir ja doch erfolgreich. Gelegenheit macht halt manchmal doch Diebe. Tja.

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  5. Hach, wie herrlich und witzig (und leider auf eure Kosten) diese Anekdote doch ist ;)
    Wir haben genau das gleiche Spiel mit Milo erlebt - als er noch ein kleiner Punkt war.
    Doch er war minimal klüger als Manu und hat ganz leise das frische Laib Brot gleich in der Küche verdrückt. Zurück gelassen hat er uns ein paar Anstandskrümel in der Tüte ;)
    Über den Output der darauffolgenden Tage möchte ich jetzt kein Wort verlieren *lach*

    Gepunktete Grüße
    Katharina (die immer noch erstaunt ist, in welcher Geschwindigkeit ein Welpe ein ganzes Laib Brot verschlingen kann)

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    1. Ich bin wirklich froh, dass ich den Kampf um das Brot antreten durfte und auch gewonnen habe. Ich habe mir nämlich schon überlegt, wie sich das wohl ausgewirkt, wenn Manu dieses Brot komplett verspeist. Keine Frage, das hätte er mit ein paar gierigen Haps geschafft, aber ob sein Magen sich darüber freuen kann? Brrr.

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  6. Ich hab mich echt amüsiert, als ich hier vom Kampf ums Brot gelesen habe. Aber ja, du hast vollkommen Recht - die Fellnasen sind verdammt schlau und entwickeln Strategien um an ihr Ziel zu kommen.

    Gut, dass du den "Kampf" ums Brot gewonnen hast :-D.

    LG Jérôme

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