Sonntag, 5. Juli 2015

Die Struffelt Route - Unsere Bilderbuchwanderung mit klitzekleinen Abstrichen



Anfang Juni zog es uns Mädels mal wieder in die Eifel. Die Struffelt Route lächelte uns schon lange vom PC her an und sollte nun endlich in die Tat umgesetzt werden. Nach den Aufregungen der letzten Wochen kam uns die Kombination Donnerstag=Feiertag (Fronleichnam) ganz gelegen. Außerdem war endlich wieder Sonne angesagt. Das trübe Wetter hatten wir nun wirklich satt.
An so einem pefekten Tag darf man einfach nicht zu Hause bleiben.

Die Vorfreude schickte uns schon früh auf die noch recht freie Autobahn, sodass wir tatsächlich schon nach 45 Minuten in Roetgen ankamen und den Parkplatz am Filterwerk problemlos fanden. Drei einsame Autos parkten dort in der frühen Morgensonne. Unsere Hundekutsche gesellte sich auf einem Schattenplatz dazu.
Tja, und dann lief alles eigentlich so, wie es bei uns zu Beginn einer Wanderung halt läuft. Ich warf mir das gesamte Gepäck (Rucksack, Kamera, Schlepp) murrend und umständlich um/auf Schultern und Rücken, sodass ich eher einem  Expeditionsteilnehmer glich, dem das Packlama abhanden gekommen ist, und machte mich mit Hund vorerst orientierungslos auf die Suche nach dem ersten Schild, dessen Fund Emi dann direkt mit der Erledigung ihrer Geschäfte feierte (hey, das hatten wir doch schon einmal).
Natürlich gab es keinen Abfalleimer, aber immerhin das passende rote Beutelchen in meinem Gepäck (man lernt ja dazu), das nun die folgende Wanderung fest verschlossen (zwecks Duftvermeidung) und festgesurrt an einem Rucksackträger verbringen würde (ich glaube ja nicht, dass meine kommende Einsamkeit davon ausgelöst wurde). Im Gegensatz zum Beutelchen war ich zu diesem Zeitpunkt schon ganz schön stinkig (man kann ja auch nicht immer direkt gute Laune haben). Ein Zustand, der sich auf der anderen Straßenseite direkt noch verschlimmern sollte. Hier sollte die Wanderung nämlich losgehen.



Eine steile Treppe führte uns waldeinwärts und setzte uns dann gnadenlos auf einem winzigen Waldweg (so wie man Waldwege in der Kindheit am liebsten gelaufen ist, weil es sich so abenteuerlich anfühlte) ab, der so urig war, dass ich ihn kaum vom normalen Waldboden unterscheiden konnte. Da wir uns ja auch auf dem gern gewanderten Eifelsteig befanden, kam mir das sehr merkwürdig vor. Besonders dann, als wir uns plötzlich völlig weglos mitten im Wald vorfanden.



Hier sollte es sich als Fehler erweisen, dass ich Emi zuvor auf der Treppe an die Schlepp genommen hatte, weswegen sich die lange Leine nun um einen Strauch wickelte, den Emi dann zusätzlich noch einmal schnüffelnd umrundete, und ich in extremer Schräglage, die schon nach Bergnot schrie (hier befindet sich die einzige Steigung, die der Weg zu bieten hat), das herzallerliebste Mädchen entwirren musste. Ich rechnete jederzeit mit zusätzlichen Wanderern, die mich in meiner unprofessionellen Lage entdecken würden. Mir war jetzt schon furchtbar warm, und irgendwie hing jedes Teil meines Gepäcks nie dort wo es hingehörte. Selbstverständlich verfluchte ich in diesem Moment ganz besonders den WBE, der den Feiertag garantiert noch im Tiefschlaf beging, anstatt mir als Gepäckträger zur Verfügung zu stehen. Irgendjemanden muss man ja für den Murks verantwortlich machen, den man sich selbst antut. Die Ehekrise blieb uns nur aufgrund der vielen Kilometer, die uns gerade voneinander trennten, erspart.
Na ja, immerhin hatte ich von diesem Punkt einen guten Blick über das Gelände und entdeckte problemlos den richtigen Weg. Ich überließ der entwirrten Emi die Führung, wodurch uns ein weitere Episode à la Hänsel und Gretel erspart blieb. Geht doch.
Prompt spuckte der Wald uns wieder aus und bot zur Versöhnung einen breiten Wirtschaftsweg für den nächsten kurzen Streckenabschnitt an. Hier richtet ich mein Gepäck wieder neu, band mir aufgrund der Temperaturen die Jacke um die Hüfte, und endlich waren wir richtig angekommen. Umständlicher kann man eine Wanderung wohl kaum beginnen.

Zum Glück folgten nun wunderschöne und abwechslungsreiche Stunden, die all diese Mühe wert waren.



Die Route beglückte uns nämlich direkt mit einer zauberhaften Landschaft. Auf Holzstegen durchwanderten wir dieses reizvolle Gebiet, das aus Heide- und Moorlandschaften bestand. Holzstege waren für Emi selbstredend gewöhnungsbedürfte, denn das Interessante versteckte sich geruchstechnisch gesehen natürlich eher daneben. Nichtsdestotrotz blieben wir brav auf den ausgewiesenen Wegen, wollten wir doch der Natur keinen Schaden zufügen, und nasse Füße wollten wir natürlich auch nicht bekommen.
Hier trafen wir übrigens auf den einzigen Jogger des Tages, der das letzte Zeichen menschlichen Lebens für die nächsten zwei Stunden sein sollte. Er entließ uns in eine Welt voller Stille und Einsamkeit. Balsam für die Seele.



Anbei nun ein paar Impressionen.


Leuchtendes Highlight am Wegesrand, das Eifelgold (Ginster).


 Auch Wasser war auf der ganzen Strecke sehr präsent.



Ein Weiher mit wunderschöner Pflanzenwelt lud zum Verweilen ein.


Hier verabschiedete sich auch die App auf meinem Handy, die mir so liebevoll immer meinen Standpunkt auf der Wanderstrecke anzeigt. Das Pünktchen blieb einfach stehen und gaukelte mir vor, nur das erste Viertel der Strecke absolviert zu haben.
Dauert dieser Zustand mehr als eine Stunde an, dann ist das sogar mir suspekt.
Zum Glück war die Struffelt-Route exellent ausgeschildert, sodass ich auf diese App nicht unbedingt angewiesen war, aber manchmal möchte ich halt einfach wissen, wo ich mich denn nun gerade befinde. Ein bisschen Kontrollwahn bleibt halt immer.
Irgendwas lag an diesem Tag in der Luft. Das sollte sich später noch zeigen.



Das Vorbecken der Dreilägerbachtalsperre bezauberte und mit seinem glitzernden Wasser.





Und dann gab es auch noch die Furt durch den Bach, die wir durchwandern mussten. Sehr hoch stand das Wasser an diesem Tag nicht, und so war es für uns beide eher eine lustige Angelegenheit, die Emi natürlich auch intensiv für eine Trinkpause nutzte.



Kurz darauf führte uns der Weg zurück in den Wald.
Lange Zeit wanderten wir am Schleebachgraben entlang.

Zuerst waren wir noch vollkommen allein unterwegs, dann läutete eine Frau mit Hund das Ende der Einsamkeit ein.
Die nächste Stunde stand unter dem Motto Hundebegnungen. Seltsamerweise sollten diese ausnahmslos positiv verlaufen, geradezu mustergültig, wie es sich so viele wünschen.
Es wurde angeleint, Absprachen getroffen, und man reagierte auf die Wünsche des Gegenübers. Das macht dann natürlich noch mal extra gute Laune.




Gegen Mittag näherten wir uns dann auch langsam wieder dem Parkplatz. Vorher mussten wir leider ein kleines Stück durch die Ortschaft. In der Mittagshitze war dieses Stück auf Asphalt wahrscheinlich anstrengender, als die gesamte Wanderung vorher. Immerhin gab es den passenden Abfallbehälter für unser rotes Tütchen, von dem wir uns dann schweren Herzens trennten. Man gewöhnt sich ja aneinander.
Bei unserer Ankuft am Filterwerk sah es so aus, als wären wohl alle Parkplätze belegt. Weit über 30 Autos standen nun dort. Es wurde Zeit heimwärts zu fahren.

Leider hatte sich dann das Navi entschlossen total verrückt zu spielen (ich sagte ja, es lag etwas in der Luft). Unsere nette Navidame plauderte ohne Unterlass und forderte mich immer wieder auf abzubiegen. Wäre ich ihren Aufforderungen willenlos gefolgt, so häte ich wohl den Rest vom Fronleichnamstag in irgendeinem Vorgarten in der Eifel verbracht. Zum Glück kenne ich mich ja doch ein bisschen aus und dank hilfreicher Schilder fanden wir dann etwas später auf komplizierteren Wegen zurück auf die Autobahn, die dann Richtung Heimat führte.

Diese Route hat uns wirklich besonders gut gefallen, sieht man mal vom letzten Stück durch den Ort ab. Sie ist sehr abwechslungsreich, sodass man hinter jeder Kurve neu überrascht wird. Die Länge ist angenehm, und der Schwierigkeitsgrad keine große Herausforderung.


Kommentare:

  1. Hahaha, die Anfänge Deiner Wanderungen kommen mir irgendwie bekannt vor... Ganz großes Chaos... lach

    Umso schöner, anschließend solch tolle Stunden miteinander verbringen zu dürfen.

    LG Andrea und Linda

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  2. Eine sehr schöne Wanderung habt ihr gemacht. Da waren doch die anfänglichen Schwierigkeiten bestimmt schnell vergessen ;-) Wir sind froh das ihr euch, trotz Technikpannen, wieder gut nach Hause gefunden habt. War eben eine Abenteuerwanderung.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  3. wunder, wunderschön und mit so herrlichem Wasser - genau so wie ich es gerne habe.
    Gute, schattige Tage wünscht
    Ayka

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  4. Das klingt nach einer tollen Route, auch wenn sie sicher etwas für kühlere Tage als die letzten ist :-) Der Einstieg, nun ja, ist bei uns oft auch nicht besser, aber irgendwann wird es ja doch meistens. Durch Ortschaften laufen wir auch nicht sehr gerne, aber manchmal lässt es sich eben leider nicht vermeiden. Zum Glück habt ihr es gut überstanden und selbst mit Navi-Schwierigkeiten nach Hause gefunden.

    Wuff-Wuff euer Chris

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  5. Wir haben Euch gerne begleitet….Wunderschöne Impressionen hast Du mitgebracht. Die Wasserlilie mit dem lilafarbenen Hintergrund ist ein absoluter Traum.


    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  6. Wie schön!!! Ihr seid die Struffeltroute im Sommer gegangen. Die Ginsterblüter ist traumhaft schön. Ich sehne mich so sehr nach Farbe in der Natur. Deine Fotos geben mir noch einen Grund mehr, die Tour nochmals zu wandern.

    Viele Grüße senden
    Silvana & Cabo

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