Montag, 2. Februar 2015

Der Fluch der Lappalie



Vor einiger Zeit schrieb ich in einem Post über Lukes anstehende Operation am 19. Januar. Zuversichtlich tat ich sie als Kleinigkeit ab und wagte es den zu entfernenden "Knubbel" als Lappalie zu bezeichnen. Ich gestehe, damals überkam mich beim Tippen dieses Wortes ein ungutes Gefühl. Schwörte ich nicht etwas Böses herauf, wenn ich in meiner Unwissenheit einfach von einer Lappalie reden würde? Müsste ich das nicht irgendwann bereuen (anscheinend neige ich etwas zur Abergläubigkeit)? Tatsächlich stand ich kurz davor, diese Passage in meinem Text zu löschen und ließ sie dann stehen, weil ich doch sehr davon überzeugt war, dass es sich um eine Kleinigkeit handelt. Man schneidet es weg und gut ist. Bald würde diese Angelegenheit in Vergessenheit geraten. Schätzungsweise am 20. Januar.
Man merkt, meine Tierarzterfahrungen waren bis dahin wahrlich rosig und von kurzer Dauer.

Erste Zweifel kamen auf, als nach der OP von einem Tumor, der eingeschickt werden musste, die Rede war. Ich malte mir die schlimmsten Sachen aus, dann übernahm der Optimismus das Zepter in meinem Kopf. Lappalie halt. Gutartig. Weggeschnippelt. Vergangenheit. Da kommt nichts nach.
Nun war ich auch viel zu sehr mit der Bewachung der Wunde beschäftigt, als dass ich mir weiterhin  großartig Sorgen hätte machen können.
Ich wünsche Luke wirklich, dass er in seinem Leben immer diesen Kampfgeist beweist, den er in das Besteben steckte, um an diese Wunde zu kommen. Hartnäckigkeit gepaart mit einer List, wie ich sie selten zuvor erleben durfte.
Wir haben den Trichter gesichert, als würde unser Leben davon abhängen. Verbandsmaterial wurde in den cleversten Varianten  eingesetzt. Wir haben Luke Tag und Nacht, so gut es ging, im Auge behalten (ein leichtes Kratzgeräusch des Trichters, und ich sitze aufrecht im Bett, jede Bewegung lässt mich aufschrecken), und trotzdem hat er es geschafft uns auszutricksen.
Er musste nur auf diesen einen Moment warten.

Fazit: An einem regnerischen, schon dunklen Montagabend düste ich mit unserem weißen Puschel wie vom Teufel gejagt über die Autobahn Richtung Tierarzt, stürmte dort mit blutigem Hund und Decke auf dem Arm (wirklich sehr unprofessionell, aber er hatte auf der kurzen Fahrt den gut gesicherten Trichter abgestreift und die komplette Wunde, die vorher frisch verbunden war, freigelegt, und natürlich gibt es an solchen Tagen nie den Parkplatz direkt vor dem Haus) ins Wartezimmer und war wohl dermaßen die Verzweiflung in einer Person (der Januar hat nicht unbedingt zur Stärkung meiner Nerven beigetragen), dass mich die lieben Menschen, die dort sicherlich schon was länger warteten, direkt vorließen. Ich empfinde auch heute noch eine tiefe Dankbarkeit für diese Freundlichkeit, die mir an diesem Abend entgegengebracht wurde. Lukes Wunde war wieder zurück auf Anfang und musste komplett neu genäht werden. Die Vorwürfe, die ich mir machte, nagten schwer an mir. Wie kann man nur so blöd, so unachtsam sein? Man sitzt ja auch lang genug im Wartezimmer, um sich im Nachhinein selbst noch richtig schön fertigzumachen.
Noch schwerer machte mir dann die Diagnose zu schaffen, die mir die Tierärztin an diesem Abend sehr ruhig und zuversichtlich auf Heilung, verkündete. Beim Lappalienknubbel handelt es sich um einen Mastzellentumor, der also so großzügig wie möglich aus dem Bein geschnitten wurde, was an dieser Stelle nicht unbedingt so einfach ist. Obwohl die Tierärztin mich ausführlich aufklärte und Luke sehr gute Chancen wieder gesund zu werden bescheinigte, überschlugen sich meine Gedanken wie schon eine Woche zuvor. Hier konnte auch die Müdigkeit nichts mehr retten. Für diesen Abend brach für mich erst einmal die Welt zusammen.
Doch genau wie vorher kam nach der Verzweiflung wieder der Optimismus. Wie Phönix aus der Asche breitete er sich ein Gedanke in meinem Kopf aus. Was auch immer von der Krankheit noch in Luke stecken sollte, wir würden diesem Teil sicher kein bequemes Nestchen bauen. Informationen sammeln war angesagt, wobei ich manche  Erfahrungsberichte im Internet bewusst umging. Horrorstories sind keine Motivationshilfe.
Mein Hauptaugenmerk will ich auf die Ernährung legen. Ich bin wirklich froh, dass wir bereits barfen, möchte aber noch ein bisschen was ändern, sodass insbesondere Lukes Ernährung sich auch nach seiner Erkrankung und der Behandlung (beim Tierarzt geht es für uns noch ein bisschen weiter) richtet. Entsprechende Hilfe habe ich schon auf Nachfrage bekommen, da ich auf viele gegensätzliche Aussagen getroffen bin und unsicher wurde. Vielen Dank noch einmal dafür!
Ich weiß, dass ich gegebenenfalls keine Wunder bewirken kann, aber ich kann stärken, unterstützen und bleibe nicht hilflos und passiv. Ein gutes Gefühl für mich, und gute Gefühle braucht man in dieser Situation.
Auch der Tipp Luke so normal wie möglich zu behandeln, war sehr hilfreich, denn man neigt dazu den Hund in Watte zu packen und tut ihm dadurch natürlich auch keinen Gefallen. Er war wohl der glücklichste Hund weit und breit, als es endlich wieder auf eine normale Gassirunde ging.

Inzwischen geht es Luke schon besser. Mit seinem neuen, riesigen Trichter ist die Wunde schon mal wesentlich sicherer, auch wenn alle Tipps bezüglich der Befestigung des Trichters nur so lange die ultimativen Tricks sind, bis sie bei Luke angewandt werden. Er ist nicht nur Houdini, er ist auch Einstein oder einer von Disneys Panzerknackern. An dem Tag, wo die Wunde glücklich verheilt ist, fällt mir ein tonnenschwerer Stein vom Herzen.
Unser Patient schläft noch viel, aber wird mehr und mehr lebhaft. Gestern hat er seit langer Zeit wieder seine Mitbewohner, als deren Spiel zu wild wurde, zurechgewiesen. Er übernimmt wieder das Regiment, und das ist schön so.
Alles zusammen lässt uns nun positiv in die Zukunft schauen, nur das Wort"Lappalie" wird wohl nie mehr so leichtfertig über meine Lippen kommen.

Kommentare:

  1. Liebe Sylvia, es tut mir sehr leid, dass die "Lapalie" nun doch nicht einfach weggeschnitten werden konnte. Tröstende Worte sind in so einer Situation schwierig zu finden, die Realität kann man nicht schön reden. Deine Strategie wird aber sicherlich Früchte tragen, denn, wie wir Deinen Berichten entnehmen dürfen, handelt es sich bei Luke offensichtlich um ein echtes Kämpferherz, der noch lange nicht bereit ist, sich von einem Knubbel die Weltherrschaft entreißen zu lassen...

    Wir wünschen Euch nur das Beste

    Andrea und Linda

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    1. Genau darauf hoffen wir auch. So ein Kämpferherz schadet ganz sicher nicht.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  2. Hallo liebe Sylvia,
    wir drücken dem kleinen Luke ganz fest die Daumen, dass das Schlimmste schon hinter Euch liegt, aber wir können uns nicht ausmalen, was für Schreckmomente Ihr durchgemacht habt!
    Gute Besserung!
    Liebe Grüße
    Dein Arno und Silvia

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    1. Danke für die lieben Worte. Wir hoffen auch, dass das Schlimmste nun bald überstanden ist. Das wäre wirklich sehr schön.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  3. Och je, der kleine tapfere Kerl - nun aber eine ganz schnelle Genesung!

    Liebe Grüße - Monika

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  4. Eine ganz schnelle Genesung, ja, so sehen unsere Wünsche aus. Du bringst es auf den Punkt.

    Liebe Grüße
    Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  5. Liebe Sylvia,
    Erst einmal vorab: deine Aberglaubengrübeleien kann ich nur zu gut nachvollziehen - mir geht es oft genauso, auch wenn ich eigentlich sehr rational veranlagt bin ;-)
    Wie Andrea schon sagte, ist es schwierig die richtigen Worte zu finden... Ich will dir also nicht mein Mitleid ausschütten, sondern dir vielmehr sagen, wie toll du dich nach dem "Schreckmoment" gefangen hast und nun mit neuem Mut und voller Tatendrang die Krankheit am Schopf packst! Wir wünschen euch selbstverständlich nur das Beste, auf dass die weitere Behandlung beim TA gut verläuft und ihr euch nicht unterkriegen lasst.

    Liebste Grüße!

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    1. Vielen Dank für den lieben Kommentar. Im Moment können wir, vorsichtig formuliert (mit Aberglaube im Nacken), positiv in die Zukunft schauen, denn der Patient wird immer aktiver und der letzte Blick auf die Wunde zeigte auch eine deutliche Verbesserung. Angst hat man nun nur noch vor dem Verborgenen, und das muss man halt im Alltag im Kopf weit nach hinten schieben.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  6. Ach je, das ist ja keine so schöne Geschichte zum Jahresanfang. Wir wüschen euch, dass es keine "Horrorstory" wird, sondern eine von diesen wunderbaren Geschichten, in denen Luke dank guter, liebevoller Pflege und kompetenter medizinischer Betreuung einfach wieder ganz gesund wird. Wir glauben da schon mal ganz fest dran. Das hilft bestimmt.
    Liebe Grüße aus Terrierhausen

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    1. Ja, fest dran glauben kann sicher nicht schaden. Da steckt jetzt so viel Überzeugung drin, das muss doch einfach helfen. Ich werde es auf jeden Fall an Luke weitergeben.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  7. Liebe Sylvia,

    es tut mir so leid, diese Schreckensnachricht lesen zu müssen, wobei ich mich auch freue, dass ihr so verständnisvolle andere TA-Besucher getroffen habt. Ich hoffe doch sehr, dass eure TA Recht behält und Luke ganz schnell wieder auf die Beine kommt. Sei gewiss, dass hier all Pfötchen, Daumen und Zehen für den kleinen Mann gedrückt sind!

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Oh vielen Dank für die Unterstützung. Über diese Menschen im Wartezimmer habe ich mich wirklich sehr gefreut. Es kann dort nämlich gut sein, dass sie 1-2 Stunden schon gewartet haben, weil es in der Regel keine Termine gibt. Das war also extrem lieb, dass sie uns vorgelassen haben.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  8. Ohh auch von mir ganz liebe Gutebesserungswünsche!

    Schlabbergrüße Bonjo

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    1. Vielen, lieben Dank, Bonjo. Luke wird sich sicher sehr freuen.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  9. Auch wir senden die besten Genesungswünsche für den kleinen Luke. Und Deine Gedanken, schreibe ich es, was schreibe ich kenne ich zu gut. Man will nichts beschreien, aber auch nicht bagatellisieren.

    Nun hoffe ich von ganzem Herzen, dass bei Euch Ruhe einkehrt und beide Männer schnell gesund werden.

    Was mich interessiert ist natürlich, wie Du die Ernährung umstellst. Wirst Du auf Getreide verzichten? Man sagt ja, dass Getreide die bösartigen Zellen nährt und man die Fettzufuhr erhöhen soll.


    Mit den allerbesten Wünschen und vielen lieben Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Vielen Dank, liebe Sabine, liebes Söckchen.
      Die Ernährungsumstellung geht in die Richtung, wie du es angesprochen hast. Die Informationen über Getreide und Fett habe ich auch genauso gefunden. Zum Glück waren wir schon vorher getreidefrei unterwegs. Fett gab es auch, aber ich habe die Sorte gewechselt. Ich gestalte die Ernährung recht abwechslungsreich, unterschiedliche Fleischsorten, denen man hochwertige Eiweiße nachsagt, Gemüse und Obst, dem man nachsagt, dass Krebs sie nicht leiden kann (Himbeeren werden oft genannt, aber es gibt auch viele andere), Leber und Eigelb sind gut. Diese setze ich im Futter nun mehr ein als zuvor. Das ist jetzt nur ein kleiner Teil, erklärt aber vielleicht ein bisschen meine Vorgehensweise. Das schöne ist ja, dass Luke und auch die anderen Hunde dieses Futter über alles lieben, und es dementsprechend recht einfach ist ihnen etwas Gutes zu tun. Vorher habe ich sie zwar auch mit diesem Hintergedanken gefüttert, aber nun bin ich etwas mehr darüber informiert, warum ich bestimmte Sachen fütter und welche Auswirkungen sie haben. Über dein Interesse habe ich mich sehr getreut undI hoffe, dass ich deine Frage ausreichend beantwortet habe. Ich will ja jetzt nicht den Rahmen sprengen.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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    2. Danke schön für die ausführliche Antwort. Ich kenne Hunde, die mit dieser Ernährung und ihrer Erkrankung schon viele Jahre leben. Und auch wir haben Socke fast nur mit der Ernährung helfen können. Ich bin sicher, Ihr seid auf dem richtigen Weg. Alles Gute

      Sabine mit Socke

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  10. Ganz, ganz viele Heilewünsche und viel Zuversicht wünscht
    Ayka und Frauchen

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    1. Vielen Dank. Ich hoffe, bei euch sieht es inzwischen auch wieder etwas besser aus mit dem Herrchen. Meine Daumen sind weiterhin gedrückt.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  11. Liebe Sylvia, lieber Luke -
    was für ein Schreck - erst hat alles gut geklappt und der Knubbel ist Gutartig und dann sowas...
    Das Luke sich die Wunde / Narbe aufgezwickt hat ist nicht deine Schuld.
    Das geht manchmal schneller als man schauen / aufpassen kann (spreche da aus eigener Erfahrung).

    Nun drücken wir euch aber fest die Daumen und wünschen weiterhin Gute Besserung.
    Wuff, Deco + Pippa

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    1. Vielen, vielen Dank.
      Der Knubbel war schon von Anfang an bösartig, aber wir haben eine Woche nach der OP auf das Ergebnis gewartet, und in der Zeit habe ich natürlich immer wieder gehofft, dass das Ergebnis gut ausfällt. Bei Luke zeigte sich das richtige Ausmaß wohl auch erst nachdem das Bein rasiert war bzw. bei der Operation. Der Knubbel saß ja gut gebettet und vorerst versteckt im plüschigen Beinchen. Der vorherige Tierarzt meinte ja auch, dass es von einer Verletzung hätte herrühren können. Das war meine Hoffnung.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  12. Ohje, ohje... Liebe Sylvia, ich entdecke mich in deinen Postings immer sehr viel wieder und ich kann nur zu gut nachfühlen, wie dich die Krankheit von Luka aus der Bahn geworfen hat. Ich finde es toll, wie du mit der Situation umgehst - wie du schon schreibst - man kann die Situation nicht ändern. Aber in Angst verharren - nein! Das finde ich toll! Ärmel hoch und Wege suchen - was ja schon zu kleinen Erfolgen geführt hat! Über die Ernähung könnt ihr bestimmt ganz viel erreichen! Was ich noch viel wichtiger finde, ist die Situation anzunehmen - wie du es machst! Es bringt nichts jetzt in Panik zu verfallen und Luke in Watte zu packen. Ein Leben so normal wie möglich, das finde ich genau richtig. Man überträgt soviel von der Angst die in einem steckt auf den Hund - da ist soviel Normalität wie möglich wichtig.
    Ich drücke euch die Daumen, dass für euch mit der OP das Thema "Tumor" bald Vergangenheit ist.
    LIebe Grüße
    Sali

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    1. Vielen Dank für deinen lieben und ausführlichen Kommentar. Im Moment habe ich das Gefühl, dass wir mit Luke auf dem richtigen Weg sind. Leider muss er noch einmal operiert werden, weil er im Halsbereich noch ein kleines Knötchen hat, das man in der Situation nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Ich werde weiter berichten.

      Liebe Grüße
      Sylvia mit Emi, Luke und Pflegi Manu

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  13. Hallo Sylvia, hallo Luke,

    man kann nicht immer zu 100% alles bewachen. Auch Maxima kam nach ihrer Tumor - OP irgendwie an ihre Wunde. Wir fühlen mit euch und drücken ganz fest alle Daumen und Pfoten. Sicherlich ist das bald gut verheilt.

    Liebe Grüße
    Christin mit Kessie & Maxima

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