Sonntag, 27. April 2014

Wie geht es eigentlich Manu?

Als feststand, dass wir wieder einen neuen Pflegehund aufnehmen würden, trat ich an den WBE heran und bat ihn einen Blog für mich zu erstellen. Ich bereute schon lange, dass ich bei den vermittelten Pflegis kein Tagebuch geführt hatte, um festzuhalten, wie sehr sie sich hier teilweise verändert haben und welche Entwicklungsschritte wann und wie stattfanden. Von ihnen sind uns nur viele Fotos und "Weiß du noch"-Geschichten geblieben. Das ist wirklich schade.


Der Vorteil eines Blogs liegt klar auf der Hand. Meldet sich ein Interessent für Manu, dann kann dieser einen Blick in den Blog werfen und weiß somit viel schneller, ob es sich überhaupt lohnt Manu zu besuchen. Bei einem Anruf ist es meistens sehr schwer, direkt alle Informationen über Manu abzurufen. Der erste Gedanke geht dann meist Richtung "Er ist einfach nur lieb", denn diese wunderbare Eigenschaft von ihm steht hier absolut im Vordergrund. Aber Manu macht noch viel mehr aus.

In den vorherigen Einträgen habe ich immer erwähnt, wie gut Manu sich hier einfügt, wie gut er sich eingelebt hat. Ich denke, dass ein Hund sich darin sogar noch steigern kann. Manu ist inzwischen noch eine Stufe mehr hier angekommen. Er ist ein bisschen lebhafter uns gegenüber geworden. Er sucht verstärkter den Kontakt und die Nähe. Das ist mir besonders vor ein paar Tagen aufgefallen. Wir hatten einen langen, ganz besonders schönen Abend im Feld hinter uns.

Hier geht es ins Feld

Manu lässt erst mal seine Sinne arbeiten.

Überall sieht man Hunde und ihre Besitzer

Herrchen und Frauchen, wo bleibt ihr?

Seid ihr noch da?

Immer schön auf dem Weg bleiben



Manu war viel gelaufen, hatte ein paar kleinere Übungen absolviert und die meiste Zeit die Nase am Boden gehabt. Das Feld ist halt ein beliebter Ort für Familien mit Hunden und dementsprechend viel gibt es da zu erschnuppern. Außerdem muss man mit dem Auto fahren, und das ist nun mal Manus Heiligtum. Ausflüge, die damit beginnen, dass man endlich wieder in den Wagen springen darf, sind für ihn einfach die besten.
Nach dem Ausflug und einem guten Fressen lag Manu nun müde und glücklich im Wohnzimmer, aber das war ihm nach dem Erlebten wohl nicht genug. Er kam zu mir, machte diese typischen Bewegungen, die Hunde einsetzen um ein Spiel zu beginnen, Oberkörper nach unten, Po hoch und tänzelte freudig auf und ab. Es sah einfach zu lustig aus und ich ging auf seine Spielaufforderung ein, was er begeistert zur Kenntniss nahm. Nachdem wir ein bisschen gespielt hatten, schmiss er sich neben mich, legte den Kopf auf meine Beine, machte ein glücklich grunzendes Geräusch, drückte den Kopf noch fester gegen meine Beine und drehte sich genüsslich auf den Rücken. Bei seiner Länge ist damit die ganze Couch belegt, und ich muss aufpassen, dass seine Beine nicht in meinem Gesicht landen. Streichel mich, streichel mich, sagten seine Augen und er rückte noch näher an mich ran. Es bedurfte nur ein paar kurzer Streicheleinheiten, dann war er auch schon eingeschlafen. Es war wie ein Kind, dass nach einer besonderen Freude seine Arme um einen schlingt, um sich zu bedanken.
Manu war von Anfang an sehr auf Streicheleinheiten aus, aber eher passiv. Zuerst gingen die Streicheleinheiten nur von uns aus. Später drängte er sich schon leicht an unsere Beine, um uns ab und zu mal aufzufordern. Diese aktive Aufforderung zum Spiel und zu einer richtigen Schmuseeinheit, die sind relativ neu.

Die Spaziergänge mit ihm sind meistens sehr schön und können auch entspannt sein, aber sie sind auch weiterhin mit Arbeit verbunden. Am Anfang eines Spaziergangs und auch am Ende zieht er immer noch kräftig an der Leine. Wir arbeiten weiterhin an der Leinenführigkeit, Schritt für Schritt, aber der Erfolg zeigt sich eher nach ein paar Minuten. An der Schleppleine läuft er gut, zieht sie selten stramm und hört bombastisch gut auf seinen Namen.


Du hast mich gerufen?

Da bin ich schon!


Schwierig wird es dagegen, wenn wir auf einen spielfreudigen Hundekumpel treffen.

Schnupperbegrüßung mit Luna

Und ein kurzes Ründchen spielen.

Lorenzo war auch auf ein Spiel aus

Wollen wir Manu die Freude lassen mit einem Hundekumpel zu spielen, dann ist der arme WBE ganz besonders gefordert. Ein kreisendes Kraftpaket an einer Schleppleine ist eine gewaltige Herausforderung. Manu ist so schnell, dass der WBE nicht nur alle Kräfte braucht um den Düsenjet zu halten, wir sind auch stetig bemüht, durch die stramme Schleppleine nicht gelegt zu werden. So können wir ihm diese Freude nur unter bestimmten Bedingungen machen. Die offene Hundewiese, ein bekannter Hundekumpel und eine Begleitung, die sich vor der Schleppleine in Sicherheit bringen kann, sind da schon Voraussetzung. Wir wollen keine Verletzung riskieren.
Gerade in diesen Momenten wünschen wir Manu besonders, dass er irgendwann soweit erzogen ist, dass er frei laufen kann. Bei einem Hund mit seinem Jagdtrieb höchstwahrscheinlich ein arbeitsintensives Unterfangen, aber nicht unmöglich. Wir kennen eine junge Frau, die so lange mit ihrer Podencohündin gearbeitet hat, bis diese im Feld frei laufen konnte. Dabei zeigte sie eine bewundernswerte Zuversicht und konnte auch gut mit der Frustration umgehen, wenn es an einem Tag nicht so gut lief.
Leider hat es heute nicht geklappt, wie geplant mit Manu zum eingezäunten Windhundfreilaufgelände zu fahren. Dort hätte er zwei Stunden lang frei laufen können, und dem freien Spiel mit Artgenossen hätte nichts im Weg gestanden. Den Garten nimmt er noch immer nicht richtig als Spielplatz an, auch wenn Emi ihn ausreichend auffordert. Aus diesem Grund haben wir uns so sehr auf den Freilauf gefreut, aber die Gewitterluft hat mich heute Morgen komplett aus dem Verkehr gezogen. Mein Kopf kann diese Wetterlage einfach nicht ab. Hoffentlich klappt es nächsten Samstag.

Zu Hause beschäftigen wir Manu sehr gerne mit Schnüffelspielen. Seine Nase ist sicherlich außerordentlich, aber das heißt ja nicht, dass er beim Schnüffeln vorne liegt. Am Anfang hat Emi, die mit einem riesigen Ehrgeiz (man könnte auch Verfressenheit sagen) gesegnet ist, ihm ganz gewaltig etwas vorgemacht. Nun hat Manu das Spiel kapiert und zieht mit seiner Nase wie ein Staubsauger über den Rasen, wenn dort Futter versteckt ist. Inzwischen gibt er auch nicht mehr auf, bevor das letzte Leckerchen gefunden wurde. Außerdem haben wir mal einen Versuch mit apportieren gestartet und finden darin wieder die Bestätigung, dass er Übungen wirklich schnell umsetzen kann. Es klappt noch nicht in Perfektion, aber innerhalb kürzester Zeit hat er gelernt sein Lieblingsspielzeug zu bringen, abzulegen und dafür ein besonders Leckerchen zu erhalten. Nur liegt das Spielzeug noch nicht direkt vor meinen Füßen, aber das schaffen wir dann auch noch. Da bin ich mir bei Manu sicher.

Bei Anfängerübungen wie "Sitz" und "Platz" tut er sich dagegen schwer. Sitz konnten die meistens Pflegis schon bei ihrer Ankunft, oder sie erlernten es sehr schnell. Auch "Platz" ging bei allen Hunden recht schnell, nur Luke brauchte etwas länger und die Ausdauer vom Computerfreak, der bei den Übungen nie aufgab.
Bei Manu klappt noch nicht mal das "Sitz", weil er direkt rückwärts geht oder sich auf die Hinterbeine stellt. Die Art, wie die Hand bei der Übung mit dem Leckerchen geführt wird, behagt ihm nicht, sodass man davon ausgehen kann, dass er irgendwann mal schlechte Erfahrungen gemacht hat und diese Bewegung Richtung Kopf ihm bedrohlich vorkommt. Zum Glück habe ich in einem Buch ein paar Übungen gefunden, die etwas helfen könnten. Im Moment  üben wir nur den ersten Schritt der Übung für "Sitz", bei der er, um eine Belohnung zu bekommen, nicht nach hinten geht und nicht die Vorderbeine vom Boden löst. Das klappt auch schon sehr gut. Natürlich besteht unser gesamter Alltag nicht  nur aus Übungen und Training, sondern es sind nur kurze Momente auf den ganzen Tag verteilt. Nicht, dass jemand denkt, der arme Hund kommt hier nie zur Ruhe.

Zu guter Letzt kommen wir dann noch zu einer nicht so netten Neuigkeit über Manu. Er ist ein Dieb. Tatsächlich, und das, wo er doch sonst einen so  feinen Charakter hat.
Auf unserem Wohnzimmertisch steht in der Regel immer eine große Schale mit Obst, und bis letzte Woche habe ich auch noch nie die Notwendigkeit darin gesehen, diese Schale woanders hinzustellen. In unserer Familie herrscht ein guter Obstkonsum, sodass man sich nicht wundert, wenn sich die Schale nach und nach leert. Etwas merkwürdig ist es schon, wenn ein Apfelberg wesentlich schneller sinkt als sonst, aber selbst dann runzelt man vielleicht nur mal kurz die Stirn und vermutet, dass die Kinder ein kleines Obstlager in ihren Zimmern aufbauen. Erwischt man dann aber einen Podencorüden dabei, wie er geschickt einen Apfel aus der Schale klaut, um diesen dann mit zwei, drei Happs zu verschlingen, dann weiß man auch plötzlich, wo die ganzen Äpfel abgeblieben sind. Und nein, auch auf einem höheren Schränkchen ist die Schale nicht in Sicherheit. Manu kann auch Giraffe. Dieser Filou! Da hilft wirklich nur eine verschlossene Küchentür, denn die Hunde müssen ja auch zeitweise alleine bleiben.




Kommentare:

  1. Der Blog ist eine gute Idee !

    Es macht ja keinen Sinn, den Hund zu nehmen, nur weil er hübsch ist, das am Jagdtrieb gearbeitet werden muss, dass solten die neuen HH sich schon zutrauen - vor allem wissen!

    Liebe Grüße - Monika mit Bente

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  2. Hallo,
    wir sind begeistert von Manu.
    Ich denke, wenn Manu seine Grenzen kennt, dann ist er ein richtiger Traumhund.

    Und das mit dem Jagdtrieb ist nunmal harte Arbeit (schließlich weiß ich wovon ich spreche) ;-)
    Aber wer mit seinem Hund arbeiten will - der erhält ganz viel zurück =)

    LG, Frauchen von Deco + Pippa

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  3. So ein regelmäßiger Beitrag über die Entwicklung ist eine gute Idee - und für ev. spätere Familie eine gute Information und auch eine Erinnerung an die Zeit vor der Übernahme.
    Viel Arbeit liegt noch vor euch bzw. der neuen Familie, aber jede Arbeit mit Hunden lohnt sich und gibt einem viel zurück :)

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Laika

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  4. Liebe Sylvia,
    da ich deine Art sehr mag zu schreiben, freue ich mich natürlich sehr, dass du dich zum Bloggen entschlossen hast. Aber gerade auch für eure Pflegehunde und ihre Vermittlung finde ich es eine tolle Sache. Interessenten haben so die Möglichkeit "ihren" vielleicht zukünftigen Hund unverbindlich und ohne Hemmschwelle kennen zu lernen. Ich wäre froh, wenn ich soviele ehrliche Informationen über meinen Wunschhund vorab in Form eines Blogges bekommen könnte. Mit deiner lebendigen, aber auch ehrlichen Art hat man wirklich das Gefühl Manu Schritt für Schritt immer besser zu kennen und ganz wichtig zu LIEBEN. Und das ist ja auch ein wichtiges und schönes Ziel: das die richtige Familie sich in Manu verliebt.
    Bitte mach´weiter so!
    Liebe Grüße
    Sali

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  5. Liebe Sylvia,

    die Idee mit der ausführlichen Vorstellung des Pflegehundes finde ich auch super. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack. Gerade diese diebischen Anlagen oder der Jagdtrieb müssen ja bekannt sein, um daran zu arbeiten. Sonst kommt Manu immer wieder zu euch zurück, was ja nicht Sinn und Zweck der Sache ist. Wir finden es aber toll, dass er sich so gut entwickelt.

    Wuff-Wuff dein Chris

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  6. Na da ernährt sich ja jemand ganz gesund. Manu frisst wirklich einen ganzen Apfel? Einfach so? Weg ist er?

    Respekt!

    LG
    Clara

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