Donnerstag, 9. April 2015

Mit Manu im romantischen Rurtal



Ostermontag hatte der WBE die Qual der Wahl, denn er durfte sich als Belohnung fürs frühe Aufstehen ein Ausflugsziel aussuchen (eine kleine Vorauswahl haben wir inzwischen immer schon abgespeichert, damit uns kein lohnenswertes Ziel entgeht). Und was soll ich sagen, der WBE bewies mal wieder ein gutes Händchen. Er suchte tatsächlich eine der schönsten Touren aus, die wir jemals gelaufen sind. Ich bin jetzt noch richtig verliebt in diese Strecke, die uns mit ihrem Abwechslungsreichtum überraschte.

An diesem Montag zog es uns ins Monschauer Land. Direkt neben dem wunderschönen Städtchen Monschau beginnt der Rundwanderweg 55 mit dem einladenden Namen "Romantisches Rurtal". Die Rur katapultiert sich sowieso gerade bei mir an die Spitze der liebsten Flüsse. So war ich natürlich sehr erfreut, dass ein Großteil der Strecke neben diesem tollen Fluss verlaufen sollte. Am Anfang der Wanderstrecke zeigt sich die Rur mal von ihrer ganz wilden Seite, brauste um große Felsen herum und wirkte richtig unbändig. Später, nur ein Stückchen weiter, floss sie dann überraschend ruhig und gemächlich. Nicht umsonst sagt man diesem Teilstück der Rur nach, dass es ihr schönstes ist.


Auf natürlichen Pfaden immer schön an der Rur entlang



Asphalt gab es nur ganz, ganz selten








Der größte Teil der Wege war Natur pur. Zuerst schön mit Wurzel durchzogen, später eher steinig und zwischendurch auch gerne ganz schön matschig. Das bedeutete dann auch mal Kopfarbeit für die Zweibeiner, denn nur verträumt durch die Gegend schauen war viel zu riskant. So mancher Schritt wollte gut überlegt sein. Man möchte sich ja  nicht auf die Nase legen oder im tiefsten Modder versinken.
Manu dagegen trabte leichtfüßig und unbekümmert an seiner Schlepp, magisch angezogen vom Wasser und den Gerüchen am Wegesrand. Normalerweise ist Manu eher zielgerichtet unterwegs. Mitten auf dem Weg und immer schön geradeaus. Hier nutze er das volle Angebot. Meine Sorge, dass wir hier auf Wild treffen könnten, war zum Glück unberechtigt.

Ich mag diese schmalen, natürlichen Pfade wirklich sehr. Mit den richtigen Schuhen an den Füßen sind sie ja auch überhaupt kein Problem. Mit Manu, der ja zum Glück selbstreinigend ist, hatten wir für diese Strecke eine gute Wahl getroffen. Zwar zeigten sich an seinem Hals ein paar Matschspuren, der Rest schien seltsamerweise verschont von jeglichem Dreck. Luke dagegen wäre sicher nicht um ein intensives Bad herum gekommen.

 

Moosdurchzogene Wälder, wilde Narzissen, geschichtsträchtige Gebäude





Irgendwann trennte sich dann unser Weg vom Flusslauf. Er führte uns steilbergauf durch einen moos- und felsdurchzogenen Wald. Eine Strecke, die etwas atemraubend war. Manu fragte sich sicher, warum Herrchen und Frauchen gerade jetzt so viel die Aussicht genießen mussten. Nun ja. Dafür wurde unsere Anstrengung am Ende doppelt und dreifach belohnt. Uns zeigte sich nämlich ein ganz besonderes Schauspiel.

Der Steilhang war durchzogen von unendlich vielen, kleinen gelben Pünktchen. Dieser Teil der Eifel ist nämlich bekannt für seine wilden Narzissen, die unter Naturschutz stehen. Den Gedanken, sich zu Hause die Blumenvase mit diesen Blümchen zu füllen, sollte man sich also schleunigst wieder aus dem Kopf schlagen. Wäre auch viel zu schade. Ich hatte bei diesen Temperaturen und so früh im April noch gar nicht mit der Blüte gerechnet. Dementsprechend erfreut betrachteten wir diesen tollen Anblick, während die ersten Radfahrer hinter unserem Rücken an uns vorbeisausten und Manu kurzfristig die Laune verdarben.





Ebenfalls wunderschön präsentierte sich uns auch das ehemailige Prämonstratenserkloster Reichenstein (erbaut 1132), das mit seinem dunklen Weiher sehr idyllisch wirkte.



Von den Narzissenfeldern bis  Reichenstein waren wir kurzfristig auf der ehemaligen Trasse der Vennbahn unterwegs. Hier befindet sich inzwischen einer der schönsten  Radwege Europas, der von Aachen nach Luxemburg führt. An diesem Morgen waren aber relativ wenig Radfahrer unterwegs. Unser Weg führte uns sowieso recht schnell wieder in den Wald, den wir nur kurz verließen, um eine Straße zu überqueren und einen Blick auf die Norbertuskapelle (erbaut 1926) zu werfen.


Wir nutzten diesen kurzen Augenblick, um uns zu sammeln, denn dann ging es wieder rauf auf den Berg. Schnauf. Schnief. Aber selbst das gehört für mich zu einer gelungenen Wanderstrecke dazu. So schlimm waren die Aufstiege dann auch gar nicht. Manu war noch nicht mal annähernd außer Atem und schaute unternehmungslustig um sich, während wir im dichten Wald mal wieder die Aussicht genossen. Schlimm, diese Zweibeiner.


Vorbei an saftigen Wiesen und über versteckte, matschige Pfade




Wir waren das nicht!


Nach dem Wald ging es lange durch Weidelandschaften. Bis dahin waren wir nur hin und wieder anderen Wanderern begegnet.  Diese waren aber anscheinend eher auf der "Klosterroute" unterwegs, die sich zeitweise das Wegenetz mit unserem Weg teilte. Nach all der Einsamkeit wurden wir hier plötzlich überrascht, als eine kunterbunte, riesige Wandergruppe wie eine gewaltige Gewitterwolke hinter uns auftauchte. Ostermontag und Klosterroute. Insgeheim hörten wir die Gruppe schon laut Kirchenlieder schmettern, was dann aber doch ausblieb. Gewundert hätte es uns aber nicht.

Zu guter Letzt führte uns dann ein extrem schmaler, versteckter Pfad, der teilweise mit tiefem Matsch durchzogen war, sodass wir mit den Schuhen gut zur Hälfte einsanken, zurück an unseren Ausgangspunkt. Die Rur empfing uns mit lautem Rauschen.
Ein letzter Teilabschnitt, der auch wieder wunderschön war (ich kann es gar nicht oft genug wiederholen), und mich teilweise an Irland erinnerte. Da konnte auch der tiefe Matsch nichts dran ändern. Hier hätte ich noch Stunden laufen können.



So standen wir nach etwas mehr als 2 Stunden am Parkplatz. Schuhe in einem desolaten Zustand, Hosen voller Matschspritzer, Schlepp tropfend von Wasser und Modder, Jacken eingesaut, Hund wie aus dem Ei gepellt, blitzeblanksauber. Zeugen einer wunderschönen und sehr empfehlenswerten Tour, die man jederzeit wieder gerne läuft.



Wandertour: Romantisches Rurtal, Rundwanderweg 55
Länge: 7,7 km
Schwierigkeit: mittel
Dauer: ca. 2 Stunden



Kommentare:

  1. Hund wie aus dem Ei gepellt - hahaha

    Linda ist ja zum Glück auch selbstreinigend, was ich gerade nach einer anstrengenden Wandertour sehr begrüße. Sie glaub ich auch... ;)

    Wirklich eine schöne Tour hat der WBE da ausgesucht. Das hätte uns auch gefallen. Aber wenn schon keine Wildbegegnungen, dann wenigstens Wild-Wasser...

    LG Andrea und Linda, die nach ihrer ersten 14 km Wanderung dieses Jahr nun platt sind...

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  2. Klasse, das klingt nach einem Weg meiner Wahl. Wasser, Wald und schmale Pfade, Berge zum Klettern, fehlen nur Wiesen zum Toben, aber wie die Bilder zeigen, gab es sogar die. Da wäre ich ja gerne mitgekommen, ihr wohnt schon in einer tollen Ecke.

    Wuff-Wuff euer Chris, der auch selbstreinigend ist

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  3. Oh, das war aber eine schöne Wanderung. Die wilden Narzissen im Wald sind eine Pracht. Schöne Bilder hast du mitgebracht. Manu hat diese Wanderung bestimmt auch genossen. Besonders weil die Zweibeiner dreckig waren und Manu blitzsauber ;-)
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  4. Uiiiiiii...... , da wäre ich auch gerne mitgepfotet, einfach wunderbar die frei Natur und natürlich die vielen Wasserläufe.
    Eine ebenfalls "Selbstreinigende" Ayka

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  5. So lange der Hund, sauber ist :-D *hehehe* ist doch alles super! Schöne Wanderung!

    LG Jérôme

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